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Achtsamkeit für die Gesundheit


Die innere Einstellung ändern, Ernährung umstellen, den Stoffwechsel anregen und lernen auf sich selbst zu achten - ein Gespräch übers Abnehmen mit Dr. med. Claudia Ranacher, Spezialistin für Homöopathie und betreuende Ärztin bei Easylife.

Frau Ranacher, abnehmen ist grundsätzlich ein heikles Thema. Menschen sind mit sich selbst nicht zufrieden. Wieso dauert es oft so lange, bis sie etwas tun? Warum ist der Start so schwer?

Dr. Claudia Ranacher: Ich glaube, es ist für viele so schwierig, weil Essen eine der stärksten Kompensationen für innere Zustände ist. Das heißt, es laufen innere Emotionen ab, die wir nicht als das wahrnehmen, was sie sind und mit dem Verstand nicht einordnen können. So passiert es, dass man solche Empfindungen fühlt und sie mit Essen kompensiert. Das haben wir häufig von klein auf gelernt. Um diese Abläufe zu durchbrechen, bedarf es dem Verständnis, dass man mit dem Essen etwas kompensiert. Dieses Bewusstmachen der Handlung "Essen" bringt uns in die Achtsamkeit - und den Menschen wird klar, dass sie etwas verändern können. In diesem Hamsterrad, das wir Alltag nennen, hat man oft die Zeit nicht, diesen Vorgang wahrzunehmen und achtsam mit dem Essen umzugehen.

 

Es heißt ja "Iss die Hälfte und du nimmst automatisch ab". Wieso funktioniert das fast nie?

Ranacher: Es stimmt schon, dass es bei manchen funktioniert. Grundsätzlich hat es fast immer mit dem Psychischen zu tun. Ich habe oft beobachtet, dass es innere Blockaden gibt. Zum Beispiel gehen manche bis zu einem gewissen Gewicht, aber nicht darüber. Man muss verstehen, dass dieses Gewicht auch eine Form von Schutz darstellt. Leeregefühl im Inneren wird kompensiert mit Fülle von außen. Der Körper wird zur Schutzhülle. Deshalb hilft bloß weniger oder die Hälfte zu essen nicht.

 

Es spielt sich also viel im Kopf ab?

Ranacher: Im Kopf und in der Seele. Ich sage es oft: Abnehmen kann eine Form von Psychotherapie sein. Wer drei Mal in der Woche hierher (Easylife, Anm.) kommt, beschäftigt sich zwangsläufig mit Fragen wie: "Was will ich essen? Was kaufe ich ein? Wie koche ich es?" Menschen bekommen einen Leitfaden, den sie aber selbst umsetzen müssen. Das heißt, das Thema wird in der Prioritätenliste ihres Leben ganz nach oben gesetzt, sonst würden sie so ein nachdrückliches Abnehmprogramm gar nicht machen. Zwei Faktoren sind entscheidend: weniger essen - hier vor allem die Kohlenhydrate - und gleichzeitig muss man sich selbst in den Vordergrund stellen und achtsam sein. Genau deshalb funktioniert Abnehmen nicht, wenn man nur die Kalorien reduziert und sein restliches Leben genau so weiter lebt wie vorher.

 

Ein Beispiel aus dem Leben: Ich habe zehn Kilo zu viel und hasse Sport. Was raten Sie mir, um die Kilos weg zu bekommen?

Ranacher: Kohlenhydrate weg lassen ist der erste Tipp. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass die es sind, die wirklich dick machen. Was ich auch empfehlen würde, wäre den Tag auf 16/8 aufzuteilen; also sechzehn Stunden nichts essen und nur während acht Stunden zu essen, aber da eben das Richtige. Es gibt Studien, unter anderem auch an der Grazer Uni, die das testen. Mit dieser Methode regt man den Stoffwechsel an und führt dem Körper weniger zu, das bringt einen Gesundheitseffekt und einen Abnehmeffekt zugleich. In jedem Fall rate ich sich mit Experten zu beraten, um die Ernährung auf die richtigen Lebensmitel umzustellen.

 

Ein weiteres Beispiel: Ich habe 120 Kilo und möchte auf 90 runter. Geht das überhaupt und was muss ich tun?

Ranacher: Das kann durchaus schwieriger sein, wenn man es allein schaffen will. Es gibt mehrere Faktoren. Erstens hat es sehr lange gebraucht, bis sich diese 120 Kilo angesetzt haben. Das heißt, Lebensstil und Verhaltensmuster sind schon verinnerlicht. Um aus diesen auszusteigen, muss man sehr viel ändern und das ist allein schwierig. Hier kann Begleitung ein guter Antrieb sein. Aber nicht nur die betreute Therapiezeit ist wichtig, sondern natürlich auch die Nachbeobachtungszeit über viele Monate. Dabei lernt man, wie man das Gewicht so beibehält bzw. Schwankungen wieder in den Griff bekommt. Nur so bleibt einem der Jojo-Effekt erspart.

 

Wenn man viele Kilos in wenigen Wochen abnimmt, ist das nicht schlecht für den Körper? 

Ranacher: Als ich zu Easylife gekommen bin, war ich auch skeptisch. Jetzt bin ich schon eineinhalb Jahre hier und erlebe, dass die Leute vitaler aussehen, sich vitaler fühlen und rundum zufriedener sind. Und für mich sind genau diese Werte entscheidend.

 

Wenn man jetzt aber dreißig Kilo abnimmt, passiert es dann nicht oft, dass die Haut schlaff wird?

Ranacher: Manchmal passiert das schon. Im Gesicht sieht man davon nichts, aber bei stark adipösen Leuten, die an die vierzig Kilo abnehmen, gibt es fast immer die so genannte "Fettschürze" im Nachhinein. Grundsätzlich verfügt menschliche Haut über eine gute Spannkraft, die beim abnehmen von vielen Kilos wieder den Normzustand erreicht.

 

Es gibt unterschiedliche Fettpölster, die beim Abnehmen weg kommen. Easylife gelingt es recht gut, die Problemzonen zu "bearbeiten". Wie gelingt das?

Ranacher: Ich glaube, dass es durch die Eiweißlastigkeit der Ernährungsumstellung bedingt ist, dass die Spannkraft bleibt. Denn wenn man lediglich maximal Kalorien reduziert, und nicht auf eine ausgewogene Ernährung achtet, sieht man nicht so gut aus, beim Abnehmen.

 

Alle reden vom Stoffwechsel, aber viele können sich darunter nicht wirklich was vorstellen. Können Sie das in einfachen Worten erklären?

Ranacher: Der Stoffwechsel bestimmt, wie schnell ein Stoff auf verschiedenen Ebenen umgewandelt und aufgespaltet wird. Zum Beispiel wie schnell Fette in Grundfette abgebaut werden. Durch die Nahrung werden unzählige Stoffe aufgenommen, die erstmal zerlegt werden müssen und dann über das Blut an den Körper abgegeben werden. Bei einem langsamen oder schlechten Stoffwechsel werden manche Stoffe schlecht oder gar nicht abgebaut. Sie lagern sich ab, verstopfen die Zellen - bildlich gesprochen. Für mich hängt der Stoffwechsel auch viel mit der Lebensenergie zusammen, also wie aktiv jemand ist. Neben einer Therapie, kann zum Beispiel auch kontinuierliche Bewegung den Stoffwechsel aktivieren. Am besten ist eine Mischung aus beidem. Dabei bezieht es sich zwar hauptsächlich auf Nahrung, aber auch Hormone sind im Stoffwechsel mit einbegriffen und wie schnell die umsetzen.

 

Wie regt man den Stoffwechsel an?

Ranacher: Man sieht, dass die Leute, die zu uns kommen am Anfang oft einen sehr langsamen Stoffwechsel haben, der dann aber mit der Zeit durch die Nahrungsumstellung immer aktiver wird. Ich glaube sehr daran, dass durch eine Reduktion von Zucker und Kohlenhydraten in der Ernährung, die Ablagerungen verschwinden, die nicht gut aus dem Körper ausgeschieden werden und den Stoffwechsel lähmen. Und wie schon zuvor erwähnt, kann der Stoffwechsel sehr gut auch durch Bewegung aktiviert werden.

 

Was genau ist Ihre Aufgabe als betreuende Ärztin bei Easylife?

Ranacher: Ich bin einmal in der Woche da, um konkrete Fragen der Menschen zu beantworten. Ich führe auch intensive Gespräche mit allen, bei denen das Abnehmen bisher nicht so gut funktioniert hat. Grundsätzlich geht es mir darum, dass die Leute abnehmen und gleichzeitig gesund werden. Das geht für mich Hand in Hand. Mein Blickwinkel ist auch, dass ich die Leute animiere ganzheitlich etwas zu tun. Ich versuche zu erkennen, ob es jemandem psychisch nicht gut geht. Und wir schauen uns an, wie er im gesundheitlichen Bereich vorwärts kommen kann.

 

Ein großes Thema ist auch Diabetes. Sie waren ja anfangs etwas skeptisch was Diabetespatienten betrifft. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ranacher: Es war ja eine allgemeine Meinung, dass man bei insulinpflichtigen Diabetikern die Kohlenhydrate nicht weglassen kann. Wir haben uns dann aber dennoch darauf eingelassen und bei unseren Diabetespatienten gesehen, dass es wunderbar funktioniert hat. Sie haben zusätzlich zu ihrer Gewichtsabnahme auch noch den Insulinbedarf um zwanzig Einheiten reduziert. Insulin ist kein physiologischer Stoff. Dass es gelingt, Insulin zu reduzieren und in die normale körperliche Regulation zu kommen, ist das Beste, was man sich vorstellen kann. Dazu kommt noch, dass Insulin fett aufbaut. Wenn man also viel Insulin spritzt, kann man nicht wirklich abnehmen, dabei wäre das Abnehmen für Diabetiker das Wichtigste. Und zu sehen, dass das so gut funktioniert, hat mich schon sehr berührt.

 

Ist die Easylife-Therapie eigentlich nachhaltig?

Ranacher: Nachhaltig ist es dann, wenn es in den Köpfen der Leute "Klick" macht. Dass sie erkennen, etwas verändern zu wollen. Wir können das allerdings nur anregen, erst mit dem eigenen Willen schafft man den Umstieg. Aber man muss bedenken, dass es schnell geht, während der Therapiewochen in relativ kurzer Zeit abzunehmen. Bloß fällt man leicht wieder in das gleiche Muster zurück, wenn man seine Einstellung nicht ändert. Du kannst schlichtweg nicht wieder dasselbe Essverhalten aufnehmen wie vor der Therapie.

 

Von welchen Zeiträumen sprechen wir eigentlich?

Ranacher: An sich ist das egal und individuell. Über wie viele Wochen die Therapie angesetzt wird entscheiden wir gemeinsam aufgrund der Ausgangslage bei der Beratung. Wichtig ist, und ich wiederhole mich gerne, dass man begreift: Je kürzer die Ernährungsumstellung betrieben wird, desto leichter fällt man wieder in das alte Muster zurück. Daher rate ich immer - egal wie lange die Therapie gedauert hat - die Nachbearbeitung voll auszunützen. Die dauert immer neun Monate. Im ersten Monat kommt man einmal pro Woche vorbei und dann einmal pro Monat. Da wird kontrolliert und informiert, um immer am Thema dran zu bleiben. In der Nachbeobachtung kommen schrittweise wieder Kohlenhydrate auf den Speiseplan. Man tastet sich wieder heran und merkt wie viel der Einzelne verträgt, um das Gewicht zu halten.

 

Gibt es Leute, die von der Therapie ausgeschlossen sind, weil sie eine Krankheit haben und Medikamente nehmen müssen?

Ranacher: Nein. Ich hab zuerst geglaubt, dass es dabei Probleme geben kann. Wir haben Patienten hier die Psychopharmaka nehmen, die dafür bekannt sind, dass sie das Abbauen von Fettstoffen verlangsamen und es funktioniert bei denen trotzdem wirklich gut. Es kann natürlich sein, dass es bei ihnen etwas langsamer voran geht, aber trotzdem geht es gut.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Tali Tormoche, Texter